Ökumenischer Pilgerweg
St. Jost im Fischbachtal

Bericht einer Pilgerin

Erffnungswochenende kumenischer Pilgerweg St. Jost

Samstag, 28. Juni 2008: Von Niedernhausen nach Neunkirchen

In der letzten Chorstunde der Kantorei Reinheim verteilte Pfr. Werner Stoklossa Informationsbltter zum Erffnungswochenende am 28. und 29. Juni 2008 fr den neu eingerichteten kumenischen Pilgerweg St. Jost im Fischbachtal.
Da ich unter seiner Leitung im Mai letzten Jahres eine Pilgerwanderung 800 Jahre Hl. Elisabeth von Thringen auf dem Elisabethweg von Wetzlar nach Marburg mitgemacht hatte und davon sehr angetan war, beschloss ich anhand der angegebenen Internetadresse weitere Informationen einzuholen. Dort fand ich dann die Einladung, das Programm mit der zeitlichen Abfolge und einen schnen Lageplan von Niedernhausen.

Nun hatte ich fr das Wochenende noch nichts Besonderes geplant und von Reichelsheim, Ober-Kainsbach bis Niedernhausen ist es nicht weit, also stand fr mich fest: Da machst du mit. Auerdem waren drei der Aktiven mir nicht unbekannt: Pfr. Hassemer durch meine kurzzeitige Zugehrigkeit zum Kirchenchor Frnkisch-Crumbach/Gro-Bieberau; Dekan Meyer durch Besuch von Gottesdiensten in Reichelsheim; Pfr. Stoklossa, Mitglied Kantorei Reinheim.

Ein weiterer Beweggrund war der Gedanke der kumene. In Reichelsheim findet in vier verschiedenen Kirchen abwechselnd ein kumenisches Monatsgebet statt, an dem ich schon seit Jahren ziemlich regelmig teilnehme. Ich finde es ein wichtiges Anliegen, fr die Einheit der Kirche zu beten; immerhin glauben wir an ein und denselben Schpfer.

Am Samstagmorgen war es dann soweit. Wie bei mir blich, ging es nicht ganz ohne Hektik ab. Tee kochen, Wasser abfllen, Brote schmieren, Frhstcken, Rucksack packen. Noch ein Blick in den Khlschrank: Auf der Rckfahrt mssen noch ein paar Kleinigkeiten fr nchste Woche eingekauft werden. Wanderschuhe gegriffen und los gings. Zum Glck habe ich gleich auf Anhieb den ausgeschilderten Parkplatz gefunden. Von der angegeben Zeit blieb mir nur noch knapp die Hlfte. Da ich aber gut zu Fu bin und gehofft hatte, dass die 30 Minuten gut bemessen waren, sollte es kein Problem sein, doch noch pnktlich an der Kapellen-Ruine St. Jost anzukommen.

Und tatschlich, kurz vor dem Ziel holte ich Pfr. Stoklossa mit einer Gruppe ein und erreichte noch rechtzeitig den Platz. Wie erfreut war ich, dann einen Mitpilger von 2007 begren zu drfen. Dieser erinnerte mich daran, dass Werner Stoklossa uns schon beim Pilger-Nachtreff im August letzten Jahres von der Planung dieses Pilgerweges erzhlt hatte. Nun war die Planung also Wirklichkeit geworden.

Es waren bereits etliche Besucher anwesend und hatten auf den bereitgestellten Bnken Platz genommen, und es kamen immer noch ein paar Nachzgler.

Mit leiser Dudelsackmusik und einsetzendem Posaunenchor begann der Gottesdienst. Zuvor wurde an alle Anwesenden Pilgermuscheln mit dem Emblem der St. Jost Kapelle verteilt. Der Gottesdienst wurde gemeinsam von den Pfarrern Michael Weber (Ev.-lutherische Kirchengemeinde Niedernhausen/Fischbachtal), Franz-Josef Hassemer (St. Andreas, Gro-Bieberau) und Stefan Crisan (Griechisch-Katholisch, Girelsau/Rumnien) zelebriert.

Der Altar, der auf den Grundmauern der Kapellenruine steht, war schn geschmckt mit Kerzen, einem Kruzifix und zwei Blumenkreuzen, die spter whrend der Pilgerwanderung getragen wurden. Zur Erinnerung an die St. Jost Kapelle wurde eine wunderschne Sandsteinstele gesegnet.

Pfr. Crisan sprach den Segen fr eine anwesende rumnische Jugendgruppe in Rumnisch. Dann hielt Pfr. Hassemer eine sehr eindringliche Predigt mit dem Hauptgedanken Was sucht ihr?, der uns hnlich wie ein Zen-Buddhistisches Kan den ganzen Pilgerweg begleiten sollte.

Nach dem Gottesdienst zog man in mehr oder weniger kleinen Gruppen auf dem Stillen Pfad Richtung Zwlf Apostel. Wir wurden aufgefordert, zu versuchen, wirklich ohne Unterhaltung diesen Abschnitt zu pilgern: In der Umkehr und in der Ruhe liegt euer Heil, die Stille und das Vertrauen auf Gott verleiht euch Strke. (Jes 30,15)

Bei einem Blick zurck war ich doch berrascht, wie viele Leute trotz des regnerischen Wetters mitgekommen waren. Ich schtzte die Gruppe auf 50-100. Im Rundfunk war am Sonntagmorgen dann von 150 Leuten die Rede.

Bei den Zwlf Aposteln, einer allein stehenden Baumgruppe an einer Wegkreuzung wurde eine kurze Andacht von den ev. Marienschwestern und Franziskusbrdern aus Darmstadt-Eberstadt gehalten. Einer der Franziskusbrder erklrte die komplizierte Herstellung der dort auf einem Stein angebrachten Gedenktafel Alles Land bete Dich an und lobsinge Dir. Hier verabschiedete sich schon ein erster Teil, wahrscheinlich aufgrund der nicht enden wollenden Regenschauer.

Nun ging es auf dem Ersten steigenden Pfad zum Rimdidim. Was mich sehr beeindruckte, war, das die rumnische Gruppe mit Pfr. Crisan die Pilgertour barfu absolvierte.


Man hatte neben einem, wie ein Tisch geformter, groen Felsblock ein Holzkreuz aus zwei armdicken zusammengebundenen Baumstmmen errichtet.

 Hier hielt Dekan Meyer die Andacht und bat uns nun, auf diesem steinernen Tisch unsere von der letzten Station mitgenommenen Sorgen-Stein abzulegen; also wie auf einem Altar Gott unsere Sorgen anvertrauen.

 Kommt alle her zu mir, alle, die ihr mhselig und beladen seid; ich will euch erquicken. ...So werdet ihr Ruhe finden fr eure Seelen. (Jesus Christus)

Dann, im wahrsten Sinne des Wortes, konnten wir erleichtert zum Parkplatz Gagernstein bei Steinau herabsteigen. Hier war eine grere Pause. Als ich mich ein wenig umschaute, sah ich eine Hinweistafel Zum kleinen Steinernen Meer. Da kam mir der Gedanke, mein Stein, der auffllig die Form eines Fisches hatte, schwamm nun quasi als Steinerner Fisch im Steinernen Meer mit meinen Sorgen davon.
Die Pilgergruppe lagerte sich nun dort, denn es waren schon von fleiigen Helfern Bnke aufgestellt worden. Einige hatten Verpflegung mit, einige gingen in eine nahe gelegene Gastwirtschaft. Ich entschlo mich dann auch noch, auf einen Kaffee dort einzukehren.
Die Gastwirtschaft trug den Namen Zur Sonne. Und tatschlich: als ich um die Kurve kam und gerade den Namenszug an der Hauswand entziffern konnte, lugte die Sonne durch den Wolkenvorhang und tauchte den Asphalt in ein helles Licht. Ab da, gegen 15 Uhr war es dann auch mit dem Regen endgltig vorbei und die Sonne schien bis zum Abend.

Um 15:30 Uhr sammelte man sich wieder am Parkplatz, um nach einer kurzen Andacht in zwei verschiedenen Gruppen den Pilgerweg fortzusetzen. Eine Gruppe ging den krzeren Weg ber Steinau zur Schneckenkapelle bei Billings. Die andere Gruppe, zu der ich mich gesellte, ging den lngeren Weg ber die Neunkirchner Hhe nach Neunkirchen.

ber den Zweiten steigenden Pfad ging es am Kaiserturm vorbei zur Neunkirchner Hhe. Hier hielten Oberstudienrat a. D. Dietrich Plehn und Konrad Bihrer, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Kath. Pfarrgemeinde Fronleichnam Reinheim die Andacht.

 Auf dem Gnadenpfad: Einzig die Richtung hat einen Sinn. Es kommt darauf an, dass du auf etwas zugehst, nicht dass du ankommst (Antoine de Saint-Exupry) ging es dann auf die heutige Schluetappe nach Neunkirchen.

Gegen 18 Uhr kamen wir bei der Kirche St. Cosmas und Damian in Neunkirchen an. Hier hielt Pfr. Weber die Abschlussandacht, begleitet mit Orgelmusik, am mit frischem Wasser gefllten Taufbecken. Mit diesem Wasser drften wir uns die Augen auswaschen fr einen klaren Blick, damit wir wahrhaft sehend wrden nicht nur fr die Schnheiten der Natur und Gottes Schpfung, sondern auch fr die Ungerechtigkeiten in dieser Welt.

Sonntag, 29. Juni 2008: Von Neunkirchen nach Niedernhausen

Der Sonntag begrte uns mit herrlichem Sonnenschein. Der Aufbruch zu Hause gelang mir trotz der Frhe weniger hektisch. Am Parkplatz in Niedernhausen traf ich nur eine Mitpilgerin an. Wir waren beide etwas erstaunt ob des geringen Interesses und zweifelten schon, ob wir am richtigen Treffpunkt waren. Aber dann, kurz nach halb Neun kam ein Dekanatsbus mit Pfr. Stoklossa. Er brachte noch zwei weitere Mutige mit. Gemeinsam fuhren wir nach Neunkirchen, unserem Endpunkt von gestern. In der St. Cosmas und Damian Kirche fand eine Morgenandacht mit Prdikantin Irmgard Sykora statt. Sie begleitete uns noch bis zur ersten Station, der Heilquelle am Feuerwehrhaus.

Die Quelle entsprang ursprnglich am Pfarrhaus, wurde aber unterirdisch abgeleitet und tritt nun hier zutage. Herr Stoklossa verteilte neue Liedbltter, da die gestrigen doch durch den Regen arg in Mitleidenschaft gezogen waren. Dann gab es fr jeden einen Trinkbecher und wir konnten uns erst einmal mit dem Quellwasser fr einen guten Start strken. Der heutige Tag sollte berhaupt sehr im Zeichen des Wassers stehen.

Bei Sonnenschein und leichtem Wind ging es zunchst die Strae entlang, dann durch den Wald zur Fischbachquelle. Ein Brger von Ltzelbach sprach uns an, wohin wir denn unterwegs wren. Nachdem wir ihm erklrten, dass wir auf dem neuen Pilgerweg wanderten, sprach er uns seine Anerkennung aus und wnschte uns viel Erfolg.

Auf dem Tauferinnerungspfad ging es von der Fischbachquelle zur Marienteichhtte: Als Gott dem Menschen ins Antlitz blickte, das er geformt hatte, da sah er seine Werke insgesamt in dieser Menschengestalt. (Hildegard von Bingen)

Am Marienteich, eine knstlich angelegte Teichanlage, die vom Wasser der nahen Bhringsquelle gespeist wird, erzhlte uns Pfr. Stoklossa sehr bildhaft eine Szene aus dem Leben des Heiligen Jost. Er entnahm seinem Rucksack vier Papierschiffchen und postierte sie auf Pappbrettchen auf dem Wasser.


Dann begann er:

Wieder einmal waren Jost und sein Mitbruder unterwegs. Als es Essenszeit war, nahm er das einzige Brot, das sie mithatten und teilte es in vier Teile. Da kam ein armer Bettler des Weges und bat um ein Stckchen Brot. Jost gab ihm bereitwillig einen Teil des Brotes. Der Bettler bedankte sich und ging weiter. Kurz darauf kam wieder jemand und bat um etwas zu essen. Jost gab ihm das zweite Viertel. Alsbald kam ein weiterer Bettler und bat um ein Stck Brot. Auch diesem gab Jost zu essen. Zu guter Letzt kam noch ein einsamer Wanderer, dem hungerte gar sehr. Ihm gab Jost das letzte Viertel. Jener bedankte sich und ging seines Weges. Was sollen wir nun essen, sprach da sein Begleiter. Aber siehe da, kaum hatte Jost das letzte Brot verschenkt, kamen den nahen Fluss vier Bote herauf, landeten am Ufer und waren gefllt mit frischen Broten. Da wusste Jost, dass es GOTT selber war, der in Gestalt der Bettler vorbeigekommen war.

Danach verteilt Pfr. Stoklossa sogar noch frisch in Scheiben vorgeschnittenes Brot an alle. Die Papierschiffchen waren aus Kopien von Bildern geformt, die diese Legende in mehreren Szenen darstellten.

Dann fhrte uns der Weg weiter zur Held-Htte, wo wir hofften, die 2. Gruppe zu treffen, die in Billings starten sollte. Der sehr guten Markierung J1 folgend, ging es durch Wlder und Wiesen

den Seligpreisungspfad weiter: Meine Seele preist Gott. Er ist gro. Mein Geist frohlockt: Der Herr ist mein Retter. Mich, die niedrige Magd hat er gesehen. Die Glckliche werde ich heien: von nun bei allen Vlkern, denn Groes hat der Mchtige an mir getan. (Loblied Maria)

An der Htte kamen wir dann frher als erwartet an und machten erst mal Frhstckspause. Und dann, welche Freude, kamen die Erwarteten, ein gutes Dutzend, den Berg herauf. Diese Gruppe hatte den Weg um 10 Uhr in der Kapelle in Billings mit einer Andacht begonnen.

An der Held-Htte feierten wir das Zusammentreffen in einer gemeinsamen Andacht. Pfr. Stoklossa erklrte uns dabei den Pilgergru, der auf dem Jakobsweg nach Santiago di Compostela gebruchlich ist. Er bedeutet bersetzt so viel wie: Einen guten Weg und Gott sei mit dir.
Nun pilgerten wir alle den Stillen Pfad bis zum Alten Lichtenberger Brunnen.

Frau Delp hatte ein frisch gebundenes Pilgerkreuz mitgebracht, das nun abwechselnd von einigen Teilnehmern getragen wurde. Auch ich drfte es ein Stck nehmen.

Am Alten Lichtenberger Brunnen angekommen, bat uns Pfr. Stoklossa, alle an einem dort befindlichen Tisch mit Bnken Platz zu nehmen. Dann verschwand er mit einem Helfer hinter der Brunnenanlage, um kurz darauf mit zwei groen Kisten voller Steine zurckzukommen. Aus einer der Kisten mit berwiegend weien, glatten Kieseln sollte sich jeder einen Stein heraussuchen und darauf ein Wort schreiben (Stifte hatte er ebenfalls dabei!), das fr ihn die grte Bedeutung hatte oder eine wichtige, erstrebenswerte Eigenschaft in seinem Leben darstellte. Nun stellte Pfr. Stoklossa eine leere, durchsichtige Kiste auf den Tisch. Ich ahnte, dass nun das Gleichnis mit den groen und kleinen Dingen im Leben kommen wrde, das ich irgendwo schon mal gehrt hatte. Er erzhlte uns nun das Gleichnis in einer anderen Version (ich hoffe, ich habe es richtig behalten) wie folgt:

Zunchst kommen die groen Steine zusammen mit den von uns beschrifteten Kieseln in die Kiste. Das sind die Hauptziele in unserem Leben wie Schule Beruf Familie oder die glatten, bequem begehbaren Wege, die wir so wandern. Dann kommen kleine, zum Teil spitze Steine hinein, die zwischen die groen rutschen. Das sind z. B. die Stolpersteine, die kleinen Unebenheiten, die unter der Sohle wehtun, die uns straucheln lassen. Unvorhergesehenes, was unseren Lebensrhythmus strt, die kleinen Probleme im Alltag. Aber die Kiste ist noch nicht voll. Nun kommt Sand hinzu, der zwischen die groen und kleinen Steine rieselt. Das sind die kleinen Freuden, die das Leben leichter machen; hier ein gutes Wort, dort ein kleines Geschenk.
Nun, wie es aussieht, ist immer noch etwas Platz in der Kiste. Also wird nun Wasser auf das Ganze geschttet.


Was soll das Wasser darstellen? Das Wasser ist die Luft zum Atmen, die uns am Leben erhlt, vielleicht auch das Blut in unseren Adern, das durch unseren Krper pulsiert, aber auch Gottes Beistand und Gottes Geist, der immer weht und uns ergreifen soll, damit das Leben gelingt.

Am Ende der Geschichte wurde die ganze Kiste wieder ausgekippt und jeder sollte sich seinen beschriebenen Stein wieder heraussuchen, denn er wurde noch gebraucht.

Nun ging es, jeder mit seinem Stein beladen den Steilen Pfad zum Kernbacher Steinbruchbrunnen, dann den Steigenden Pfad bis zur Heuneburg: Mgest du nie den Glauben an dich selbst verlieren und so manchen kleinen Berg versetzen knnen. (Irischer Segenswunsch)

Die Heuneburg ist eine keltische Ringwallanlage aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Heute ist da nicht mehr viel von zu sehen. Man hat daneben eine Schutzhtte errichtet. In deren Nachbarschaft versammelten wir uns um ein dort aufgestelltes Baumkreuz, hnlich wie am Rimdidim, mit einer Spruchtafel: Kommt her zu mir, alle, die ihr mhselig und beladen seid; ich will euch erquicken. ... So werdet ihr Ruhe finden fr eure Seelen. (Jesus Christus). Die Andacht wurde von Willi Delp gehalten. Eine Strophe aus einem Lied, das wir gemeinsam sangen, lautete: Ordne unsern Gang, Jesus, lebenslang. Fhrst du uns durch raue Wege, gib uns auch die ntge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Tre auf.

Nachdem wir nun unseren Stein vom Lichtenberger Brunnen am Fue des Kreuzes niedergelegt hatten,

 fhrte uns der Segnende Pfad zum Eselsbrunnen nach Lichtenberg: Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt fr dich begreifst; und was immer deine Mhen und Trume sind in der lrmenden Verwirrung des Lebens halte Frieden mit deiner Seele. (Irischer Segenswunsch)

Hier erwartete uns schon Pfr. Weber mit seiner Tochter. Die Kleine sang whrend der nun gehaltenen Andacht mit krftiger Stimme ganz allein den Kehrvers zum anschlieend abwechselnd gesprochenen Psalm: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Dann erzhlte uns Pfr. Weber die Geschichte zu diesem Brunnen: Oben im Schlo gibt es kein Wasser und bis zum Bau der Wasserleitung 1890/91 diente diese Quelle der Wasserversorgung von Lichenberg. Seinen Namen erhielt der Brunnen durch die Esel, die das Wasser in Fssern zur Burg und in die Burgsiedlung brachten. Dann verteilte er Becher und wir sollten von dem Wasser schpfen und es nach Mglichkeit ohne zu verschtten, nach oben zur Schlosskapelle tragen.


Hier erging die Bitte an mich, ich mge doch einen Bericht schreiben, da ich an beiden Tagen anwesend war und die groe Runde mitgewandert bin. Ich habe mich zwar nicht direkt dazu geuert, aber ich bin dem Ruf gefolgt und hoffe, mit diesem, vielleicht etwas zu umfangreichen Text die Erwartungen erfllt zu haben.

Nun ging es auf die vorletzte Etappe zum Schloss Lichtenberg ber den Wasserpfad: Wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil er ein Jnger ist, wahrlich ich sage euch: Es wird ihm nicht unbelohnt bleiben. (Jesus Christus)
Die Gruppe zersplitterte sich nun zusehends im Gnsemarsch ging es teilweise den steilen Wiesenpfad hinauf. Dann auf der Strae sah man hier und da die ersten greren und kleineren Wasserflecken es ist gar nicht so einfach, einen vollen Becher verlustfrei zu transportieren.

In der Schloss-Kapelle feierten wir eine Andacht mit Gemeindereferentin Lioba Tran und Jutta Reisinger-Weber. Whrend der Andacht wurden auch folgende Psalmverse rezitiert: Meine Seele drstet allezeit nach Gott. Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. ...Das Herz geht mir ber, wenn ich daran denke: wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge.
Sehr passend fand ich auch das Lied Leben aus der Quelle des Lebens, denn wir sind ja an einigen Quellen vorbeigekommen und konnten so immer wieder den Bezug zu Gott als der Quelle des Lebens herstellen.

Vor der Wanne, in die wir das vom Eselsbrunnen heraufgetragene Wasser gossen, war mit Puppen und Baukltzchen die Szene mit Jesus und der Samariterin am Brunnen dargestellt. Geht es uns nicht auch manchmal so, dass wir Gehrtes nur mit den realen Dingen um uns herum in Verbindung bringen? Das uns der eigentliche Sinn erst viel spter bewusst wird?

Nach dieser Andacht lste sich die Pilgergruppe auf, teils um eigenen Gedanken nachzugehen, teils um sich zum Gedankenaustausch in einer Gartenwirtschaft einzukehren. Am Nachmittag wollten wir uns dann wieder treffen zur gemeinsamen Abschlussfeier in der St. Johannes der Tufer Kirche in Niedernhausen.

Ich blieb bei der Gruppe um Pfr. Stoklossa und Ehepaar Delp. Das Pilgerkreuz war noch immer in unserer Mitte und schmckte nun unseren Tisch in einem Gartenlokal direkt unterhalb der Burgmauern.

 

Wir gingen dann gemeinsam die letzte Etappe zur Kirche nach Niedernhausen, wo wir dann wieder auf die anderen trafen. Der Weg fhrte uns ber den Erleuchtungspfad: Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. (Psalm 36,10).

In der Kirche St. Johannes der Tufer fand um 16:30 Uhr ein Taiz-Gottesdienst mit Agape-Mahl statt. Die Marienschwestern aus Darmstadt waren wieder anwesend und ich erkannte eine, mit der ich mich am Samstag unterwegs unterhalten hatte.

Zu guter Letzt sangen wir dann noch einmal die Irischen Segenswnsche, die wir so viele Male whrend der Pilgerwanderung gesungen hatten.
Weil sie mir so gut gefallen haben, mchte ich sie hier noch einmal wiedergeben:

Mge die Strae uns zusammenfhren und der Wind in Deinen Haaren sein,
sanft falle Regen auf Deine Felder und warm auf Dein Gesicht bei Sonnenschein.

Fhre die Strae, die Du gehest, immer nur zu Deinem Ziel bergab.
Hab, wenn es khl wird, warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht.

Hab unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das tglich Brot.
Sei ber vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt: Du bist schon tot.

Bis wir uns mal wieder sehen, hoffe ich, das Gott Dich nicht verlsst.
Er halte Dich in seinen Hnden, doch drcke seine Faust Dich nicht zu fest.

Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott Dich fest in seiner Hand.


Schlugedanken:

Mir hat der Ablauf dieser Erffnungswanderung sehr gefallen. Die Andachten an den einzelnen Stationen waren von angemessener Lnge und inspirierend. Es war schn, die Lieder auf einem Faltblatt bei sich zu haben und das wir sie gemeinsam gesungen haben. Die Gestaltung der Andachten war sehr schn und zum Teil sehr einfallsreich.

Der Pilgerweg ist gut beschildert und die Zeichen sind gut lesbar. Auch gefallen mir die Stationstafeln, die nicht nur Sprche aus der Bibel enthalten, sondern auch weltliche Autoren zitieren, die sinnreiche Sprche niedergeschrieben haben.

Ich wrde mich freuen, wenn das Vorhaben realisiert wird, jhrlich am 2. Ferienwochenende der Sommerferien von Hessen eine Pilgerwanderung mit spirituellem Programm anzubieten.

Maria-Elisabeth Schfer

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