Ökumenischer Pilgerweg
St. Jost im Fischbachtal

Bericht einer Pilgerin

Eröffnungswochenende Ökumenischer Pilgerweg St. Jost

Samstag, 28. Juni 2008: Von Niedernhausen nach Neunkirchen

In der letzten Chorstunde der Kantorei Reinheim verteilte Pfr. Werner Stoklossa Informationsblätter zum Eröffnungswochenende am 28. und 29. Juni 2008 für den neu eingerichteten Ökumenischen Pilgerweg St. Jost im Fischbachtal.
Da ich unter seiner Leitung im Mai letzten Jahres eine Pilgerwanderung „800 Jahre Hl. Elisabeth von Thüringen“ auf dem Elisabethweg von Wetzlar nach Marburg mitgemacht hatte und davon sehr angetan war, beschloss ich anhand der angegebenen Internetadresse weitere Informationen einzuholen. Dort fand ich dann die Einladung, das Programm mit der zeitlichen Abfolge und einen schönen Lageplan von Niedernhausen.

Nun hatte ich für das Wochenende noch nichts Besonderes geplant und von Reichelsheim, Ober-Kainsbach bis Niedernhausen ist es nicht weit, also stand für mich fest: Da machst du mit. Außerdem waren drei der Aktiven mir nicht unbekannt: Pfr. Hassemer durch meine kurzzeitige Zugehörigkeit zum Kirchenchor Fränkisch-Crumbach/Groß-Bieberau; Dekan Meyer durch Besuch von Gottesdiensten in Reichelsheim; Pfr. Stoklossa, Mitglied Kantorei Reinheim.

Ein weiterer Beweggrund war der Gedanke der Ökumene. In Reichelsheim findet in vier verschiedenen Kirchen abwechselnd ein Ökumenisches Monatsgebet statt, an dem ich schon seit Jahren ziemlich regelmäßig teilnehme. Ich finde es ein wichtiges Anliegen, für die Einheit der Kirche zu beten; immerhin glauben wir an ein und denselben Schöpfer.

Am Samstagmorgen war es dann soweit. Wie bei mir üblich, ging es nicht ganz ohne Hektik ab. Tee kochen, Wasser abfüllen, Brote schmieren, Frühstücken, Rucksack packen. Noch ein Blick in den Kühlschrank: Auf der Rückfahrt müssen noch ein paar Kleinigkeiten für nächste Woche eingekauft werden. Wanderschuhe gegriffen und los ging’s. Zum Glück habe ich gleich auf Anhieb den ausgeschilderten Parkplatz gefunden. Von der angegeben Zeit blieb mir nur noch knapp die Hälfte. Da ich aber gut zu Fuß bin und gehofft hatte, dass die 30 Minuten gut bemessen waren, sollte es kein Problem sein, doch noch pünktlich an der Kapellen-Ruine St. Jost anzukommen.

Und tatsächlich, kurz vor dem Ziel holte ich Pfr. Stoklossa mit einer Gruppe ein und erreichte noch rechtzeitig den Platz. Wie erfreut war ich, dann einen Mitpilger von 2007 begrüßen zu dürfen. Dieser erinnerte mich daran, dass Werner Stoklossa uns schon beim Pilger-Nachtreff im August letzten Jahres von der Planung dieses Pilgerweges erzählt hatte. Nun war die Planung also Wirklichkeit geworden.

Es waren bereits etliche Besucher anwesend und hatten auf den bereitgestellten Bänken Platz genommen, und es kamen immer noch ein paar Nachzügler.

Mit leiser Dudelsackmusik und einsetzendem Posaunenchor begann der Gottesdienst. Zuvor wurde an alle Anwesenden Pilgermuscheln mit dem Emblem der St. Jost Kapelle verteilt. Der Gottesdienst wurde gemeinsam von den Pfarrern Michael Weber (Ev.-lutherische Kirchengemeinde Niedernhausen/Fischbachtal), Franz-Josef Hassemer (St. Andreas, Groß-Bieberau) und Stefan Crisan (Griechisch-Katholisch, Girelsau/Rumänien) zelebriert.

Der Altar, der auf den Grundmauern der Kapellenruine steht, war schön geschmückt mit Kerzen, einem Kruzifix und zwei Blumenkreuzen, die später während der Pilgerwanderung getragen wurden. Zur Erinnerung an die St. Jost Kapelle wurde eine wunderschöne Sandsteinstele gesegnet.

Pfr. Crisan sprach den Segen für eine anwesende rumänische Jugendgruppe in Rumänisch. Dann hielt Pfr. Hassemer eine sehr eindringliche Predigt mit dem Hauptgedanken „Was sucht ihr?“, der uns ähnlich wie ein Zen-Buddhistisches Kõan den ganzen Pilgerweg begleiten sollte.

Nach dem Gottesdienst zog man in mehr oder weniger kleinen Gruppen auf dem „Stillen Pfad“ Richtung „Zwölf Apostel“. Wir wurden aufgefordert, zu versuchen, wirklich ohne Unterhaltung diesen Abschnitt zu pilgern: „In der Umkehr und in der Ruhe liegt euer Heil, die Stille und das Vertrauen auf Gott verleiht euch Stärke.“ (Jes 30,15)

Bei einem Blick zurück war ich doch überrascht, wie viele Leute trotz des regnerischen Wetters mitgekommen waren. Ich schätzte die Gruppe auf 50-100. Im Rundfunk war am Sonntagmorgen dann von 150 Leuten die Rede.

Bei den „Zwölf Aposteln“, einer allein stehenden Baumgruppe an einer Wegkreuzung wurde eine kurze Andacht von den ev. Marienschwestern und Franziskusbrüdern aus Darmstadt-Eberstadt gehalten. Einer der Franziskusbrüder erklärte die komplizierte Herstellung der dort auf einem Stein angebrachten Gedenktafel „Alles Land bete Dich an und lobsinge Dir.“ Hier verabschiedete sich schon ein erster Teil, wahrscheinlich aufgrund der nicht enden wollenden Regenschauer.

Nun ging es auf dem „Ersten steigenden Pfad“ zum Rimdidim. Was mich sehr beeindruckte, war, das die rumänische Gruppe mit Pfr. Crisan die Pilgertour barfuß absolvierte.


Man hatte neben einem, wie ein Tisch geformter, großen Felsblock ein Holzkreuz aus zwei armdicken zusammengebundenen Baumstämmen errichtet.

 Hier hielt Dekan Meyer die Andacht und bat uns nun, auf diesem steinernen Tisch unsere von der letzten Station mitgenommenen „Sorgen“-Stein abzulegen; also wie auf einem Altar Gott unsere Sorgen anvertrauen.

 „Kommt alle her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. ...So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Jesus Christus)

Dann, im wahrsten Sinne des Wortes, konnten wir erleichtert zum Parkplatz „Gagernstein“ bei Steinau herabsteigen. Hier war eine größere Pause. Als ich mich ein wenig umschaute, sah ich eine Hinweistafel „Zum kleinen Steinernen Meer“. Da kam mir der Gedanke, mein Stein, der auffällig die Form eines Fisches hatte, schwamm nun quasi als Steinerner Fisch im Steinernen Meer mit meinen Sorgen davon.
Die Pilgergruppe lagerte sich nun dort, denn es waren schon von fleißigen Helfern Bänke aufgestellt worden. Einige hatten Verpflegung mit, einige gingen in eine nahe gelegene Gastwirtschaft. Ich entschloß mich dann auch noch, auf einen Kaffee dort einzukehren.
Die Gastwirtschaft trug den Namen „Zur Sonne“. Und tatsächlich: als ich um die Kurve kam und gerade den Namenszug an der Hauswand entziffern konnte, lugte die Sonne durch den Wolkenvorhang und tauchte den Asphalt in ein helles Licht. Ab da, gegen 15 Uhr war es dann auch mit dem Regen endgültig vorbei und die Sonne schien bis zum Abend.

Um 15:30 Uhr sammelte man sich wieder am Parkplatz, um nach einer kurzen Andacht in zwei verschiedenen Gruppen den Pilgerweg fortzusetzen. Eine Gruppe ging den kürzeren Weg über Steinau zur Schneckenkapelle bei Billings. Die andere Gruppe, zu der ich mich gesellte, ging den längeren Weg über die Neunkirchner Höhe nach Neunkirchen.

Über den „Zweiten steigenden Pfad“ ging es am Kaiserturm vorbei zur Neunkirchner Höhe. Hier hielten Oberstudienrat a. D. Dietrich Plehn und Konrad Bihrer, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Kath. Pfarrgemeinde Fronleichnam Reinheim die Andacht.

 Auf dem Gnadenpfad: “Einzig die Richtung hat einen Sinn. Es kommt darauf an, dass du auf etwas zugehst, nicht dass du ankommst“ (Antoine de Saint-Exupéry) ging es dann auf die heutige Schlußetappe nach Neunkirchen.

Gegen 18 Uhr kamen wir bei der Kirche St. Cosmas und Damian in Neunkirchen an. Hier hielt Pfr. Weber die Abschlussandacht, begleitet mit Orgelmusik, am mit frischem Wasser gefüllten Taufbecken. Mit diesem Wasser dürften wir uns die Augen auswaschen für einen klaren Blick, damit wir wahrhaft sehend würden nicht nur für die Schönheiten der Natur und Gottes Schöpfung, sondern auch für die Ungerechtigkeiten in dieser Welt.

Sonntag, 29. Juni 2008: Von Neunkirchen nach Niedernhausen

Der Sonntag begrüßte uns mit herrlichem Sonnenschein. Der Aufbruch zu Hause gelang mir trotz der Frühe weniger hektisch. Am Parkplatz in Niedernhausen traf ich nur eine Mitpilgerin an. Wir waren beide etwas erstaunt ob des geringen Interesses und zweifelten schon, ob wir am richtigen Treffpunkt waren. Aber dann, kurz nach halb Neun kam ein Dekanatsbus mit Pfr. Stoklossa. Er brachte noch zwei weitere „Mutige“ mit. Gemeinsam fuhren wir nach Neunkirchen, unserem Endpunkt von gestern. In der St. Cosmas und Damian Kirche fand eine Morgenandacht mit Prädikantin Irmgard Sykora statt. Sie begleitete uns noch bis zur ersten Station, der Heilquelle am Feuerwehrhaus.

Die Quelle entsprang ursprünglich am Pfarrhaus, wurde aber unterirdisch abgeleitet und tritt nun hier zutage. Herr Stoklossa verteilte neue Liedblätter, da die gestrigen doch durch den Regen arg in Mitleidenschaft gezogen waren. Dann gab es für jeden einen Trinkbecher und wir konnten uns erst einmal mit dem Quellwasser für einen guten Start stärken. Der heutige Tag sollte überhaupt sehr im Zeichen des Wassers stehen.

Bei Sonnenschein und leichtem Wind ging es zunächst die Straße entlang, dann durch den Wald zur Fischbachquelle. Ein Bürger von Lützelbach sprach uns an, wohin wir denn unterwegs wären. Nachdem wir ihm erklärten, dass wir auf dem neuen Pilgerweg wanderten, sprach er uns seine Anerkennung aus und wünschte uns viel Erfolg.

Auf dem Tauferinnerungspfad ging es von der Fischbachquelle zur Marienteichhütte: „Als Gott dem Menschen ins Antlitz blickte, das er geformt hatte, da sah er seine Werke insgesamt in dieser Menschengestalt.“ (Hildegard von Bingen)

Am Marienteich, eine künstlich angelegte Teichanlage, die vom Wasser der nahen Bähringsquelle gespeist wird, erzählte uns Pfr. Stoklossa sehr bildhaft eine Szene aus dem Leben des Heiligen Jost. Er entnahm seinem Rucksack vier Papierschiffchen und postierte sie auf Pappbrettchen auf dem Wasser.


Dann begann er:

Wieder einmal waren Jost und sein Mitbruder unterwegs. Als es Essenszeit war, nahm er das einzige Brot, das sie mithatten und teilte es in vier Teile. Da kam ein armer Bettler des Weges und bat um ein Stückchen Brot. Jost gab ihm bereitwillig einen Teil des Brotes. Der Bettler bedankte sich und ging weiter. Kurz darauf kam wieder jemand und bat um etwas zu essen. Jost gab ihm das zweite Viertel. Alsbald kam ein weiterer Bettler und bat um ein Stück Brot. Auch diesem gab Jost zu essen. Zu guter Letzt kam noch ein einsamer Wanderer, dem hungerte gar sehr. Ihm gab Jost das letzte Viertel. Jener bedankte sich und ging seines Weges. Was sollen wir nun essen, sprach da sein Begleiter. Aber siehe da, kaum hatte Jost das letzte Brot verschenkt, kamen den nahen Fluss vier Bote herauf, landeten am Ufer und waren gefüllt mit frischen Broten. Da wusste Jost, dass es GOTT selber war, der in Gestalt der Bettler vorbeigekommen war.

Danach verteilt Pfr. Stoklossa sogar noch frisch in Scheiben vorgeschnittenes Brot an alle. Die Papierschiffchen waren aus Kopien von Bildern geformt, die diese Legende in mehreren Szenen darstellten.

Dann führte uns der Weg weiter zur Held-Hütte, wo wir hofften, die 2. Gruppe zu treffen, die in Billings starten sollte. Der sehr guten Markierung „J1“ folgend, ging es durch Wälder und Wiesen

den Seligpreisungspfad weiter: „Meine Seele preist Gott. Er ist groß. Mein Geist frohlockt: Der Herr ist mein Retter. Mich, die niedrige Magd hat er gesehen. ‚Die Glückliche’ werde ich heißen: von nun bei allen Völkern, denn Großes hat der Mächtige an mir getan.“ (Loblied Maria)

An der Hütte kamen wir dann früher als erwartet an und machten erst mal Frühstückspause. Und dann, welche Freude, kamen die Erwarteten, ein gutes Dutzend, den Berg herauf. Diese Gruppe hatte den Weg um 10 Uhr in der Kapelle in Billings mit einer Andacht begonnen.

An der Held-Hütte feierten wir das Zusammentreffen in einer gemeinsamen Andacht. Pfr. Stoklossa erklärte uns dabei den Pilgergruß, der auf dem Jakobsweg nach Santiago di Compostela gebräuchlich ist. Er bedeutet übersetzt so viel wie: Einen guten Weg und Gott sei mit dir.
Nun pilgerten wir alle den „Stillen Pfad“ bis zum Alten Lichtenberger Brunnen.

Frau Delp hatte ein frisch gebundenes Pilgerkreuz mitgebracht, das nun abwechselnd von einigen Teilnehmern getragen wurde. Auch ich dürfte es ein Stück nehmen.

Am Alten Lichtenberger Brunnen angekommen, bat uns Pfr. Stoklossa, alle an einem dort befindlichen Tisch mit Bänken Platz zu nehmen. Dann verschwand er mit einem Helfer hinter der Brunnenanlage, um kurz darauf mit zwei großen Kisten voller Steine zurückzukommen. Aus einer der Kisten mit überwiegend weißen, glatten Kieseln sollte sich jeder einen Stein heraussuchen und darauf ein Wort schreiben (Stifte hatte er ebenfalls dabei!), das für ihn die größte Bedeutung hatte oder eine wichtige, erstrebenswerte Eigenschaft in seinem Leben darstellte. Nun stellte Pfr. Stoklossa eine leere, durchsichtige Kiste auf den Tisch. Ich ahnte, dass nun das Gleichnis mit den großen und kleinen Dingen im Leben kommen würde, das ich irgendwo schon mal gehört hatte. Er erzählte uns nun das Gleichnis in einer anderen Version (ich hoffe, ich habe es richtig behalten) wie folgt:

Zunächst kommen die großen Steine zusammen mit den von uns beschrifteten Kieseln in die Kiste. Das sind die Hauptziele in unserem Leben wie Schule – Beruf – Familie oder die glatten, bequem begehbaren Wege, die wir so wandern. Dann kommen kleine, zum Teil spitze Steine hinein, die zwischen die großen rutschen. Das sind z. B. die Stolpersteine, die kleinen Unebenheiten, die unter der Sohle wehtun, die uns straucheln lassen. Unvorhergesehenes, was unseren Lebensrhythmus stört, die kleinen Probleme im Alltag. Aber die Kiste ist noch nicht voll. Nun kommt Sand hinzu, der zwischen die großen und kleinen Steine rieselt. Das sind die kleinen Freuden, die das Leben leichter machen; hier ein gutes Wort, dort ein kleines Geschenk.
Nun, wie es aussieht, ist immer noch etwas Platz in der Kiste. Also wird nun Wasser auf das Ganze geschüttet.


Was soll das Wasser darstellen? Das Wasser ist die Luft zum Atmen, die uns am Leben erhält, vielleicht auch das Blut in unseren Adern, das durch unseren Körper pulsiert, aber auch Gottes Beistand und Gottes Geist, der immer weht und uns ergreifen soll, damit das Leben gelingt.

Am Ende der Geschichte wurde die ganze Kiste wieder ausgekippt und jeder sollte sich seinen beschriebenen Stein wieder heraussuchen, denn er wurde noch gebraucht.

Nun ging es, jeder mit seinem Stein „beladen“ den „Steilen Pfad“ zum Kernbacher Steinbruchbrunnen, dann den „Steigenden Pfad“ bis zur Heuneburg: „Mögest du nie den Glauben an dich selbst verlieren und so manchen kleinen Berg versetzen können.“ (Irischer Segenswunsch)

Die Heuneburg ist eine keltische Ringwallanlage aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Heute ist da nicht mehr viel von zu sehen. Man hat daneben eine Schutzhütte errichtet. In deren Nachbarschaft versammelten wir uns um ein dort aufgestelltes Baumkreuz, ähnlich wie am Rimdidim, mit einer Spruchtafel: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. ... So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Jesus Christus). Die Andacht wurde von Willi Delp gehalten. Eine Strophe aus einem Lied, das wir gemeinsam sangen, lautete: Ordne unsern Gang, Jesus, lebenslang. Führst du uns durch raue Wege, gib uns auch die nöt’ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

Nachdem wir nun unseren Stein vom Lichtenberger Brunnen am Fuße des Kreuzes niedergelegt hatten,

 führte uns der „Segnende Pfad“ zum Eselsbrunnen nach Lichtenberg: „Lebe in Frieden mit Gott, wie du ihn jetzt für dich begreifst; und was immer deine Mühen und Träume sind in der lärmenden Verwirrung des Lebens – halte Frieden mit deiner Seele.“ (Irischer Segenswunsch)

Hier erwartete uns schon Pfr. Weber mit seiner Tochter. Die Kleine sang während der nun gehaltenen Andacht mit kräftiger Stimme ganz allein den Kehrvers zum anschließend abwechselnd gesprochenen Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Dann erzählte uns Pfr. Weber die Geschichte zu diesem Brunnen: Oben im Schloß gibt es kein Wasser und bis zum Bau der Wasserleitung 1890/91 diente diese Quelle der Wasserversorgung von Lichenberg. Seinen Namen erhielt der Brunnen durch die Esel, die das Wasser in Fässern zur Burg und in die Burgsiedlung brachten. Dann verteilte er Becher und wir sollten von dem Wasser schöpfen und es nach Möglichkeit ohne zu verschütten, nach oben zur Schlosskapelle tragen.


Hier erging die Bitte an mich, ich möge doch einen Bericht schreiben, da ich an beiden Tagen anwesend war und die große Runde mitgewandert bin. Ich habe mich zwar nicht direkt dazu geäußert, aber ich bin dem Ruf gefolgt und hoffe, mit diesem, vielleicht etwas zu umfangreichen Text die Erwartungen erfüllt zu haben.

Nun ging es auf die vorletzte Etappe zum Schloss Lichtenberg über den „Wasserpfad“: „Wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wahrlich ich sage euch: Es wird ihm nicht unbelohnt bleiben.“ (Jesus Christus)
Die Gruppe zersplitterte sich nun zusehends – im Gänsemarsch ging es teilweise den steilen Wiesenpfad hinauf. Dann auf der Straße sah man hier und da die ersten größeren und kleineren Wasserflecken – es ist gar nicht so einfach, einen vollen Becher verlustfrei zu transportieren.

In der Schloss-Kapelle feierten wir eine Andacht mit Gemeindereferentin Lioba Tran und Jutta Reisinger-Weber. Während der Andacht wurden auch folgende Psalmverse rezitiert: „Meine Seele dürstet allezeit nach Gott. Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir. ...Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke: wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge“.
Sehr passend fand ich auch das Lied „Leben aus der Quelle des Lebens“, denn wir sind ja an einigen Quellen vorbeigekommen und konnten so immer wieder den Bezug zu Gott als der Quelle des Lebens herstellen.

Vor der Wanne, in die wir das vom Eselsbrunnen heraufgetragene Wasser gossen, war mit Puppen und Bauklötzchen die Szene mit Jesus und der Samariterin am Brunnen dargestellt. Geht es uns nicht auch manchmal so, dass wir Gehörtes nur mit den realen Dingen um uns herum in Verbindung bringen? Das uns der eigentliche Sinn erst viel später bewusst wird?

Nach dieser Andacht löste sich die Pilgergruppe auf, teils um eigenen Gedanken nachzugehen, teils um sich zum Gedankenaustausch in einer Gartenwirtschaft einzukehren. Am Nachmittag wollten wir uns dann wieder treffen zur gemeinsamen Abschlussfeier in der St. Johannes der Täufer Kirche in Niedernhausen.

Ich blieb bei der Gruppe um Pfr. Stoklossa und Ehepaar Delp. Das Pilgerkreuz war noch immer in unserer Mitte und schmückte nun unseren Tisch in einem Gartenlokal direkt unterhalb der Burgmauern.

 

Wir gingen dann gemeinsam die letzte Etappe zur Kirche nach Niedernhausen, wo wir dann wieder auf die anderen trafen. Der Weg führte uns über den „Erleuchtungspfad“: „Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.“ (Psalm 36,10).

In der Kirche „St. Johannes der Täufer“ fand um 16:30 Uhr ein Taizé-Gottesdienst mit Agape-Mahl statt. Die Marienschwestern aus Darmstadt waren wieder anwesend und ich erkannte eine, mit der ich mich am Samstag unterwegs unterhalten hatte.

Zu guter Letzt sangen wir dann noch einmal die Irischen Segenswünsche, die wir so viele Male während der Pilgerwanderung gesungen hatten.
Weil sie mir so gut gefallen haben, möchte ich sie hier noch einmal wiedergeben:

Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in Deinen Haaren sein,
sanft falle Regen auf Deine Felder und warm auf Dein Gesicht bei Sonnenschein.

Führe die Straße, die Du gehest, immer nur zu Deinem Ziel bergab.
Hab, wenn es kühl wird, warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht.

Hab unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das täglich Brot.
Sei über vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt: Du bist schon tot.

Bis wir uns mal wieder sehen, hoffe ich, das Gott Dich nicht verlässt.
Er halte Dich in seinen Händen, doch drücke seine Faust Dich nicht zu fest.

Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott Dich fest in seiner Hand.


Schlußgedanken:

Mir hat der Ablauf dieser Eröffnungswanderung sehr gefallen. Die Andachten an den einzelnen Stationen waren von angemessener Länge und inspirierend. Es war schön, die Lieder auf einem Faltblatt bei sich zu haben und das wir sie gemeinsam gesungen haben. Die Gestaltung der Andachten war sehr schön und zum Teil sehr einfallsreich.

Der Pilgerweg ist gut beschildert und die Zeichen sind gut lesbar. Auch gefallen mir die Stationstafeln, die nicht nur Sprüche aus der Bibel enthalten, sondern auch weltliche Autoren zitieren, die sinnreiche Sprüche niedergeschrieben haben.

Ich würde mich freuen, wenn das Vorhaben realisiert wird, jährlich am 2. Ferienwochenende der Sommerferien von Hessen eine Pilgerwanderung mit spirituellem Programm anzubieten.

Maria-Elisabeth Schäfer

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